Stell dir vor, du betrittst einen Raum und verlierst kurz die Orientierung — nicht weil du die Richtung nicht mehr findest, sondern weil deine Ohren dich plötzlich in eine andere Welt gezogen haben. So beginnt die Reise in die Immersive Klangräume von Forgetforgetmusic: Klang, Licht und Raum verschmelzen, und du bist mittendrin. In diesem Gastbeitrag erkläre ich dir, wie solche Klanglandschaften entstehen, welche Techniken dahinterstecken und wo du in Berlin solche multisensorischen Erlebnisse finden kannst. Wenn du neugierig bist, wie Klang zum Bauträger von Emotionen wird, dann lies weiter.
Immersive Klangräume von Forgetforgetmusic: neue Klanglandschaften in Berlin
Immersive Klangräume sind keine gewöhnlichen Konzerte. Sie sind begehbare Kompositionen, bei denen Sound als architektonisches und narratives Material eingesetzt wird. Forgetforgetmusic hat sich in Berlin einen Namen gemacht, indem das Projekt genau dieses Prinzip immer wieder neu denkt und an ungewöhnlichen Orten umsetzt: in alten Fabrikhallen, in stillgelegten Kirchenräumen oder in kleinen, dunklen Galerien — und jedes Mal entsteht ein anderes Hörerlebnis.
Bei vielen Installationen funktionieren natürliche Geräusche als Ausgangsmaterial: Straßenlärm, Regen in einem Hinterhof oder das Knarren alter Holztüren liefern authentische Texturen, die transformiert werden. Genau hier setzt die Arbeit mit Feldaufnahmen und Klang an, die als roh-dokumentarisches Element dient und später in dichteres Sounddesign überführt wird. Dadurch erhalten die Immersive Klangräume eine Nähe zur Stadt und eine greifbare Sinnlichkeit, die digital allein schwer zu erzeugen wäre.
Wenn du tiefer in die ästhetischen Grundlagen eintauchen willst, lohnt sich ein Blick auf die Konzepte zur Klangkunst und Klanglandschaften, die Forgetforgetmusic regelmäßig diskutiert. Dort findest du Reflexionen über Materialwahl, Raumbezug und narrative Strukturen, die zeigen, wie aus einzelnen Klängen komplexe Landschaften gebaut werden. Diese Texte erklären auch, warum bestimmte Klangmotive wiederkehren und wie sie in verschiedenen Räumen jeweils neu interpretiert werden.
Visuelle Komponenten sind oft so eng mit dem Sound verwoben, dass beides eine Einheit bildet; das zeigt sich beispielhaft in Projekten, die Licht, Projektion und Bildmapping nutzen. Wenn du sehen willst, wie Bild und Ton synästhetisch verschmelzen, lohnt sich die Dokumentation zu Visuelle Klangfusionen, in der konkrete Beispiele und technische Hintergründe erläutert werden. Dort erfährst du, wie Farben, Bewegung und Tonparameter direkt miteinander kommunizieren und so neue Wahrnehmungsräume entstehen.
Was macht eine Klanglandschaft „immersiv“?
Eine Klanglandschaft wird dann immersiv, wenn mehrere Elemente zusammenkommen und dein Gehirn eine kohärente, umhüllende Erfahrung konstruiert. Das ist kein Geheimnis, sondern das Ergebnis von Gestaltung: räumliche Verteilung der Lautsprecher, klangliche Dichte, Synchronicität zwischen Ton und visuellen Reizen und die Möglichkeit zur Interaktion. Kleine Beispiele:
- Wenn ein Sound von links nach rechts wandert und gleichzeitig Lichtfetzen folgen, fühlt sich die Bewegung „real“ an.
- Wenn Frequenzen so abgestimmt sind, dass sie mit den Resonanzen des Bodens oder der Wände interagieren, entsteht ein körperliches Empfinden.
- Wenn du durch den Raum gehst und bestimmte Klänge erst dann hörst, verändert sich deine Rolle: du steuerst das Hörerlebnis mit deinen Schritten.
All das zusammen führt dazu, dass du nicht nur hörst — du erlebst aktiv. Und das ist der Kern der Immersive Klangräume: die Verwandlung von Zuhören in Erleben.
Wie Forgetforgetmusic immersive Klangräume gestaltet
Der kreative Prozess bei Forgetforgetmusic ist bewusst interdisziplinär. Es geht nicht lediglich darum, Klangspuren nebeneinanderzulegen, sondern um das gezielte Formulieren einer Atmosphäre. Dabei spielen Konzept, Komposition, Raumplanung und Technik eine gleichberechtigte Rolle.
Konzeption und Narrativ
Alles beginnt mit einer Idee — oft so simpel wie ein Bild, ein Wort oder ein Gefühl. Daraus werden Themen entwickelt: Erinnerung, Stadt, Natur, Industrie, Intimität. Diese Themen dienen als Leitfaden für Klang, Bild und Raum. Ein Narrativ ist nicht immer linear; manchmal ist es fragmentarisch, wie Erinnerungsfetzen. Wichtig ist: das Konzept bestimmt die Wahl der Orte und die Materialität der Klänge.
Komposition & Sounddesign
Im Studio wird Klangmaterial erstellt: Feldaufnahmen, synthetische Texturen, instrumentale Fragmente. Diese werden zu modularen Einheiten zusammengesetzt, die sich live oder automatisiert verändern können. Forgetforgetmusic nutzt häufig prozedurale Techniken — das heißt, Sounds reagieren in Echtzeit auf Parameter wie Bewegung, Lautstärke oder Zeit. So bleibt jede Aufführung lebendig und leicht anders als die vorherige.
Raumplanung und technische Integration
Die Wahl des Raums ist entscheidend. Ein hoher Industriekomplex verlangt andere Lautsprechersysteme als ein kleiner Ausstellungsraum. Akustiker*innen analysieren Reflexionszeiten, störende Resonanzen und mögliche Positionen für Lautsprecher und Projektionen. Anschließend werden Lautsprechernetze, Sensoren, Controller und Projektoren installiert. Die Abstimmung erfolgt in iterativen Tests: Du würdest erstaunt sein, wie viel Feinjustage nötig ist, bis ein Bass „genau dort“ sitzt, wo er soll.
Proben und Besucher-Feedback
Bevor eine Installation öffnet, werden Proben durchgeführt — oft mit geladenem Publikum. Feedback fließt direkt in Anpassungen ein: Lautstärke, Balance zwischen Bild und Ton, Dauer der Szenen. Dieser partizipative Prozess macht Immersive Klangräume robuster und zugänglicher.
Multisensorische Erlebnisse: Immersive Klangräume verbinden Musik und bildende Kunst
Multisensorik ist das Stichwort: In den besten Projekten sind Geräusch, Bild, Textur und manchmal sogar Geruch so aufeinander abgestimmt, dass ein einheitliches Erlebnis entsteht. Forgetforgetmusic arbeitet gezielt mit bildenden Künstler*innen, Lichtdesigner*innen und Performance-Künstler*innen, um visuelle und haptische Ebenen zu integrieren.
Visuelle Korrespondenz
Visuelle Elemente — Projektionen, Licht, installative Objekte — werden so programmiert, dass sie auf Klang reagieren. Stell dir vor: tiefe, dröhnende Frequenzen erzeugen langsame, dunkle Schatten; helle Obertöne bringen flimmernde Lichtschnitte. Diese Korrelation kann subtil sein oder expressiv; beides funktioniert, solange ein roter Faden erkennbar bleibt.
Skulpturale und haptische Elemente
Objekte im Raum dienen oft als physische Resonatoren oder Projektionsflächen. Ein Metallträger, an dem Mikrofone befestigt sind, kann selbst zum Instrument werden. Manche Installationen nutzen Bodenvibrationen, die du spürst, wenn du stehst oder sitzt — ein Effekt, der unmittelbarer wirkt als visuelle Reize, weil er den Körper direkt anspricht.
Olfaktorische und klimatische Nuancen
In ausgewählten Projekten werden Gerüche oder Temperaturänderungen eingesetzt, um Atmosphären zu verstärken. Ein leichter Rauch, ein zitroniger Duft, eine kühle Brise — das sind feine Werkzeuge, die das Eintauchen vertiefen, wenn sie dosiert eingesetzt werden. Aber Vorsicht: zu viel und die Erfahrung fühlt sich manipulativ an. Die Kunst besteht im richtigen Maß.
Techniken und Räume: Raumakustik, Projektionen und interaktive Elemente
Technik ist bei Immersive Klangräumen kein Selbstzweck. Sie ist das Mittel, um Gestaltungsideen in erlebbare Realität zu übersetzen. Schauen wir uns die wichtigsten Felder an.
Raumakustik
Raumakustik ist oft der unterschätzte Held. Jede Oberfläche, jede Säule, jedes Fenster verändert den Sound. Forgetforgetmusic arbeitet mit akustischen Messungen (ETC, Nachhallzeit), platziert Absorber und Diffusoren, oder nutzt gezielt Reflektionen, um bestimmte Frequenzbereiche zu betonen. In einer ehemaligen Fabrikhalle kann der zahme Klang einer Flöte zu einem weiten, beinahe orchestralen Ereignis werden. Klingt romantisch? Ist es oft auch.
Projektionen und Licht
Projektionstechnik reicht von einfachen Video-Mappings bis hin zu komplexen volumetrischen Projektionen. Lichtdesigner*innen verwenden DMX-gesteuerte Systeme, die mit der Sound-Engine kommunizieren. Der Clou: visuelle Parameter (Helligkeit, Farbe, Bewegungsgeschwindigkeit) können automatisiert aus akustischen Daten abgeleitet werden. So entsteht eine echte Synästhesie — oder zumindest eine Illusion davon.
Interaktive Elemente
Interaktivität macht Immersive Klangräume dynamisch und persönlich. Typische Instrumente sind:
- Bewegungssensoren und Tiefenkameras, die Position und Gestik erkennen.
- Sensorische Fußböden, die Druck und Gewicht erfassen und Klänge modulieren.
- MIDI-Controller, berührbare Oberflächen und mobile Apps für direkte Eingaben.
- Prozedurale Software wie SuperCollider, Max/MSP oder modulare Patches in Ableton Live.
Diese Technologien erlauben es, Klanglandschaften in Echtzeit zu formen. Du kannst also tatsächlich „mitspielen“ — manchmal bewusst, manchmal unbewusst allein durch deine Anwesenheit.
Künstlerische Kollaborationen für immersive Klangräume
Forgetforgetmusic ist ein Netzwerk: Musiker*innen treffen auf Lichtkünstler*innen, Akustiker*innen treffen auf Architekt*innen. Solche Kollaborationen sind nicht nur hübsch anzusehen, sie sind nötig. Denn die Komplexität einer Immersive-Installation verlangt unterschiedliche Kompetenzen.
Residencies und Co-Komposition
Residencies bieten Zeit und Raum für Experimente. In längerfristigen Aufenthalten entstehen oft die mutigsten Arbeiten: Probestände, Fehlversuche, kleine Durchbrüche. Bei Co-Kompositionen entwickeln zwei oder mehr Künstler*innen gemeinsam Sound- und visuelle Scores — das Ergebnis ist meistens reicher, weil unterschiedliche Perspektiven einfließen.
Community-Projekte und partizipative Formate
Ein besonderes Merkmal von Forgetforgetmusic ist die Öffnung für Community-Projekte. Workshops, partizipative Installationen oder Open-Calls für lokale Klangkünstler*innen verwandeln das Publikum in Mitgestalter*innen. Das sorgt für Identifikation und oft für überraschende, unorthodoxe Ergebnisse.
Wissenschaft trifft Kunst
Gelegentlich kooperiert das Projekt mit Akustikforschenden oder Medieninformatiker*innen. Solche Partnerschaften erweitern die technischen Möglichkeiten: bessere Raumvermessungen, komplexere Algorithmen zur Klangerzeugung oder neue Sensorik. Wissenschaftliche Methoden schaffen Raum für Innovation — und ja, manchmal auch für nerdigen Charme.
Orte und Veranstaltungen: Immersive Klangräume im Berliner Kunstleben
Berlin ist ein Freiraum für Experimente. Die Stadt bietet eine solche Vielfalt an Räumen und Communities, dass Immersive Klangräume hier besonders gut gedeihen. Forgetforgetmusic nutzt dieses Ökosystem — von privaten Galerien bis zu internationalen Festivals.
Typische Orte
- Industriehallen und Lagerhäuser: ideal für groß angelegte Installationen mit viel Raum für Reflexion.
- Galerien: perfekt für intime, visuell präzise Formate.
- Kulturzentren und Off-Spaces: flexibel, experimentierfreudig und oft vernetzt mit Communities.
- Open-Air-Locations: für temporäre, partizipative Klanglandschaften im urbanen Kontext.
Veranstaltungsformate
Die Formate reichen von abendlichen Performances über mehrtägige begehbare Installationen bis zu Workshops und Talks. Manche Projekte sind ticketpflichtig und zeitlich limitiert, andere laden zu längeren Aufenthalten ein. Wenn du ein Event besuchen willst, empfehle ich dir, früh Tickets zu sichern — die Kapazitäten sind oft bewusst klein, damit die Erfahrung intensiv bleibt.
Praktische Hinweise für Besucher*innen
Ein paar Tipps, damit dein Besuch entspannt und eindrücklich wird:
- Informiere dich über Zugänglichkeit: Manche Installationen haben enge Gänge oder sensorische Reize, die nicht für jede Person geeignet sind.
- Kleide dich bequem: Du wirst wahrscheinlich stehen oder herumgehen.
- Nimm dir Zeit: Ein intensiver Eindruck braucht Muße. Kurz rein- und wieder raus geht, aber das Beste offenbart sich bei längerem Verweilen.
- Sei offen für Interaktion: Wenn die Installation Partizipation erlaubt, probier’s aus — oft entstehen die besten Momente aus spontaner Beteiligung.
Warum Immersive Klangräume wichtig sind
Immersive Klangräume erweitern, wie wir über Musik und Kunst denken. Sie fordern konventionelle Trennungen zwischen Künstler*in und Publikum heraus und schaffen Räume für neue Formen von Aufmerksamkeit, Gemeinschaft und Reflexion. In einer Zeit ständiger Ablenkung bieten solche Arbeiten konzentrierte Momente, in denen du tiefer hörst — und vielleicht andere Seiten von dir entdeckst.
Forgetforgetmusic trägt dazu bei, diese Sparte zu professionalisieren und zugleich offen zu halten für Experimente. Die Projekte vernetzen lokale Talente, bringen technische Innovationen in die Szene und schaffen wiederkehrende Anlässe, die Berlin als Ort für zeitgenössische Klangkunst sichtbar machen. Kurz gesagt: Immersive Klangräume sind nicht nur ein ästhetisches Vergnügen, sie sind soziale und kulturelle Infrastruktur.
Wenn du neugierig geworden bist: Schau dir die aktuellen Veranstaltungen von Forgetforgetmusic an, melde dich zu Workshops an oder besuche eine Performance. Du wirst merken: Nach einem Mal zuhören kommt oft der Wunsch nach mehr — nach weiteren Räumen, die dich überraschen, berühren und zum Staunen bringen. Berlin ist voll davon. Du musst nur hineingehen und lauschen.


